Ohne Macht führen

Ohne Macht führen

Artikel erschienen in IT Magazine 2015/11
Seite 1
8. November 2015 -  Von Albrecht Müllerschön

In Unternehmen findet ein hierarchischer Führungsstil immer seltener Anwendung. Stattdessen verbreitet sich der laterale Führungsstil ohne Weisungsbefugnis.
Arbeitsstrukturen und -beziehungen in Unternehmen werden immer vernetzter. Das geht damit einher, dass immer häufiger Mitarbeitende Personen führen, deren Vorgesetzte sie nicht sind. Dieses sogenannte laterale Führen unterscheidet sich stark vom klassischen Führen.
Denn in der Vergangenheit standen in Betrieben verschiedene Bereiche und Abteilungen oft weitgehend unverknüpft nebeneinander. Jeder Bereich hatte sein klar definiertes Aufgabenfeld – unabhängig davon, ob er nun Marketing oder Vertrieb, Konstruktion oder Produktion, IT oder Controlling hiess. Und auch die Mitarbeiter hatten klar umrissene Aufgaben, die entweder in ihren Stellenbeschreibungen definiert oder ihnen von ihren Vorgesetzten übertragen worden waren.
Heute sieht das oft anders aus. Zumindest in den Unternehmen, die für ihre Kunden komplexe Dienstleistungen erbringen. Oft sind etwa IT-Unternehmen weitgehend netzwerkartig strukturiert und die Bereichsgrenzen sowie Hierarchiestufen spielen in ihrer alltäglichen Arbeit eine immer geringere Rolle. Vor allem deshalb, weil Leistungen zunehmend in bereichs- und oft sogar unternehmensübergreifenden Arbeitsteams erbracht werden.

Vernetzte Strukturen erfordern flexiblen Führungsstil

Mit solchen vernetzten Strukturen stösst ein klassischer Führungsstil an seine Grenzen, der auf disziplinarischer Macht und Weisungsbefugnis beruht, die durch eine bestimmte Position verliehen werden. Stattdessen gewinnt das sogenannte laterale Führen an Bedeutung, das auf Vertrauen und Verständigung beruht und danach strebt, durch das Schaffen eines gemeinsamen Denkrahmens die verschiedenen Interessen der Beteiligten soweit möglich zu verbinden. Diese Art von Führung muss sich, weil die disziplinarische Weisungsbefugnis als Machtquelle entfällt, auf andere Machtquellen stützen – zum Beispiel auf eine hohe persönliche Autorität und Integrität. Oder auf ein ausgewiesenes Expertentum oder auch ein gezieltes Networking, das die eigene informelle Machtbasis stärkt.
Dem klassischen Führungsverständnis zufolge stellt der Begriff der lateralen Führung einen Widerspruch in sich selbst dar. Denn ihm zufolge ist Führung untrennbar mit einer hierarchischen Weisungsbefugnis verbunden. Trotzdem ist laterale Führung eine typische Erfordernis der modernen Arbeitswelt, die durch bereichsübergreifende Kooperationen, Vernetzungen, flache Hierarchien sowie Team- und Projektarbeit gekennzeichnet ist.
 
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