Verborgene Stärken entfalten

Verborgene Stärken entfalten

Artikel erschienen in IT Magazine 2016/01
Seite 1
7. Februar 2016 -  Von Frank Rebmann

Statt sogenannte Schwächen überwinden zu wollen, ist es sinnvoller, die starken Seiten dahinter zu entdecken und Talente zu nutzen.
Verborgene  Stärken entfalten
(Quelle: Frank Rebmann)
Ich bin zu perfektionistisch», «Ich kann mich nicht durchsetzen», «Ich werde schnell ungeduldig». Solche Aussagen hören Berater oft, wenn sie Personen fragen, warum sie mit bestimmten Aufgaben und Situationen Probleme haben. Diese listen dann gern detailliert ihre vermeintlichen Schwächen auf, so dass der Eindruck entstehen könnte, dass diese Person keinerlei Stärken aufweist. Dabei zeigt sich beim gezielten Nachfragen meist schnell: Die Person hat in ihrem Leben schon viele Herausforderungen gemeistert.
Auch Führungskräfte konzentrieren sich häufig auf Schwächen, wenn sie sich mit ihren Mitarbeitern zu Entwicklungsgesprächen zusammensetzen. Dann spielen die Schwächen eines Mitarbeiters teils eine so grosse Rolle, dass sich die Frage stellt, warum das Unternehmen diesem Mitarbeiter noch nicht gekündigt hat. Folgenden Punkten schenken die Chefs hingegen wenig bis gar keine Aufmerksamkeit:

- Was lief gut, und warum?
- Welche Kompetenzen zeigte der Mitarbeiter dabei?
- Wie kann er seine Stärken künftig noch besser entfalten?
Was gut war, wird nicht selten schnell abgehakt, um anschliessend die ganze Aufmerksamkeit auf die Schwächen und Versäumnisse des Mitarbeiters zu richten und darauf, was in der Vergangenheit nicht gut lief. Entsteht solch ein Ungleichgewicht, erleben Mitarbeiter die Entwicklungsgespräche vor allem als Kritikgespräche und blicken ihnen eher mit Unbehagen entgegen anstatt sich auf sie zu freuen.

Was gut läuft, erscheint oft als selbstverständlich


Wenn Menschen sich beruflich wie privat auf Schwächen statt auf Stärken konzentrieren, liegt das oft darin begründet: Was sie gut machen, erachten sie entweder als selbstverständlich oder ihr Können ist ihnen nicht bewusst. So erfüllt es etwa manch einen Texter nicht mit Stolz, dass er gut schreiben kann. Und einige exzellente Zuhörer sind keineswegs stolz darauf, dass sie gut zuhören können.
Anders verhält es sich mit den Denk- und Verhaltensmustern, an denen man sich regelmässig stösst. Sei es, weil wir ein anderes Wunschbild von uns im Kopf haben oder weil sie uns im Alltag tatsächlich Probleme bereiten. Mit solchen unerwünschten Denk- und Verhaltensmustern beschäftigen sich viele Menschen tagaus, tagein. Und diese «Schwächen» versuchen sie abzubauen statt ihre Stärken auszubauen.
Ähnlich verhält es sich bei vielen Führungskräften. Auch sie erachten das, was ihre Mitarbeiter gut können oder tun, oft als selbstverständlich. Zum Beispiel verlieren sie darüber, dass Mitarbeiter Termine zuverlässig einhalten oder selbständig Probleme lösen, keine grossen Worte. Stattdessen konzentrieren sie sich auf die Verhaltensweisen, bei denen die Mitarbeiter ihrem Idealbild nicht entsprechen – selbst wenn diese für den Arbeitserfolg eine geringe Bedeutung haben.
 
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