Zug um Zug zum Erfolg
Quelle: Tchat

Start-up Tchat

Zug um Zug zum Erfolg

Mit Tchat möchte das gleichnamige Start-up aus dem Tessin die Kommunikation zwischen den Pendlern auf Zugfahrten erleichtern.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2016/07

     

Zugfahren in der Schweiz kann ziemlich langweilig sein. Dies merkte auch Abdul Wahed Mehran, Gründer des Start-ups Tchat, als er jeweils zwischen Lugano und Basel pendelte, um seine Familie zu besuchen. Florian Bislin, Junior Marketing Communication Manager bei Tchat und Master-Student an der HSG, erklärt: "Als Wahed Mehran vor über sechs Jahren in die Schweiz kam, fand er, dass die hie­sigen Zugfahrten oftmals eine sehr trockene Angelegenheit sind. Ein Grossteil der Pendler sind im Zug mit ihren Smart­phones beschäftigt, und zwischen fremden Personen entstehen kaum Konversationen"
Aus dieser, wohl sehr schweizerischen Eigenschaft, entsprang die Idee des aus Afghanistan stammenden Tchat-Gründers, eine App zu entwickeln, mit welcher Zugreisende unkompliziert miteinander kommunizieren können. Schon vor der Abfahrt des Zuges kann man in der Anwendung angeben, an welchem Bahnhof man einsteigt, welchen Zug man nimmt und wo man die Bahn wieder verlässt. Sobald diese Angaben getätigt sind, prüft die App, ob andere Tchat-Nutzer im Zug sind und zeigt die entsprechenden Profile an. Für die Profilerstellung greift die App auf Facebook zurück, weswegen man sich ohne Account beim Social-Media-Riesen derzeit nicht auf Tchat einloggen kann. An einer alternativen Registrierung mittels E-Mail-Account wird aber gearbeitet, versichert Bislin.


Neben den persönlichen Gesprächen gibt es auch einen Gruppenchat, dem automatisch alle Zugreisenden hinzugefügt werden. Und sobald man einer Person auf persönlicher Ebene geschrieben hat, funktioniert Tchat wie jede andere Messaging-App und man kann auch nach dem Verlassen des Zuges weiterhin mit seinem Gesprächspartner über die App in Kontakt bleiben. "Im Gruppenchat kann man etwa offen nach einem Ladekabel fragen", so der Junior Marketing Communication Manager, der gleichzeitig für die Kommunikation im deutschsprachigen Raum verantwortlich ist.

Expansion in Sicht

Die Idee von Tchat ist nicht ganz neu, wie Bislin zugibt: "Die SBB hatte mit der Connect-Anwendung eine ähnliche App. Die war den Nutzern aber zu komplex und so wurde die App nach einiger Zeit wieder eingestellt." Das Projekt von Tchat wird von den Schweizerischen Bundesbahnen aber aufmerksam auf Twitter verfolgt.
Doch nicht nur auf nationaler Ebene ist die Anwendung ein Thema, wie Bislin betont: "Eine europäische Expansion haben wir im Blick. Vorerst wollen wir vor allem in Italien und Deutschland Fuss fassen." Mittelfristig soll Tchat auch im französischen Markt erhältlich sein und längerfristig möchte das ehrgeizige Start-up sich im ganzen europäischen Raum etablieren. Dies ist mitunter auch ein Grund, warum das Jungunternehmen an der diesjährigen TNW Conference in Amsterdam teilnehmen wird.

Trotz der Jugendlichkeit des Teams, viele der insgesamt neun Mitglieder haben erst vor kurzem ihr Studium abgeschlossen oder sind noch Studenten, tritt Tchat mit einem ganz klaren Plan auf, was sich auch in der Finanzierung wiederspiegelt. So holte sich der 30-jährige Gründer Mehran, der bereits in einem früheren Projekt Start-up-Erfahrung sammeln konnte, von Anfang an zwei private Investoren an Bord. Die beiden Tessiner Geldgeber unterstützten die ersten Schritte respektive die Beta-Version der Anwendung mit einem ersten, kleineren Investment. Da Tchat die Beta-Phase inzwischen erfolgreich verlassen hat, ist man nun in weitere Verhandlungen mit den Investoren getreten. "Die momentan diskutierte Summe beträgt rund 800'000 Franken", verrät Bislin stolz.

Gotthard als Hürde

Trotz den grossen Plänen ist sich das Start-up der Hürden, die noch zu bewältigen sind, bewusst. "Eine sehr grosse Challenge ist die Überwindung der sprachlichen Grenze zwischen dem Tessin und der Deutschschweiz", so der Master-Student. Um sich in der deutschen Sprachumgebung zu etablieren, fährt das Start-up eine grossangelegte Marketingkampagne, was zuletzt einen Anwenderzulauf von über dreissig Prozent bei der kostenlosen Android- und iOS-Anwendung bedeutete.
Auch bei der Weiterentwicklung und dem damit abhängigen Erfolg von Tchat soll nichts dem Zufall überlassen werden. So hat Mehran, zusammen mit seinem Team, schon diverse Zukunftsszenarien geprüft und skizziert. Darunter finden sich Möglichkeiten wie eine weitere Expansion in die USA und den asiatischen Markt, die Einführung von In-App-Käufen oder gar der Verkauf von Tchat. "Im Moment ist das aber noch Zukunftsmusik", erklärt Bislin und fügt an: "Wir möchten aber auf jeden Fall gewappnet sein, wenn wir dann müssen." (asp)


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