CIO-Interview: «Ein Streitpunkt ist immer die Priorisierung»

CIO-Interview: «Ein Streitpunkt ist immer die Priorisierung»

Artikel erschienen in IT Magazine 2016/10
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1. Oktober 2016 -  Marcel Rassinger entwickelt mit seinem Team den Online-Shop von Brack.ch weiter und musste zuletzt händeringend nach Entwicklern suchen. Dies ist aber nur eine von zahlreichen Herausforderungen für den Competec-IT-Leiter.
CIO-Interview: «Ein Streitpunkt ist immer die  Priorisierung»
Marcel Rassinger hat seinen Job als IT-Leiter der Competec-­Gruppe im Februar 2015 angetreten. (Quelle: Competec)
Swiss IT Magazine: Sie haben als IT-Leiter eines der grössten ICT-Händlers des Landes sicher exzellente Einkaufskonditionen. Arbeiten die Competec-Mitarbeiter demnach alle mit der neuesten Hardware?
Marcel Rassinger:
Es sind eher meine Kinder, die mit der neuesten Hardware arbeiten (lacht). Intern können wir natürlich nicht immer das Neueste einsetzen, aber wir arbeiten sicher mit sehr guter Hardware, was die Performance und Stabilität angeht. Gleichzeitig versuchen wir, Produkte mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis zu kaufen.


Ich kann mir vorstellen, dass innerhalb der Competec-Gruppe die IT-­Affinität überdurchschnittlich hoch ist. Macht das Ihren Job einfacher oder eher schwieriger?
Beides – es ist Segen und Fluch zugleich. Zum einen kann man Probleme, mit denen man sich herumschlägt, besser vermitteln, weil die Mitarbeiter mehr Verständnis haben. Zum anderen muss man halt teils auch mit durchaus kritischen Fragen und hohen Ansprüchen seitens der Mitarbeiter umgehen können.

Sind Sie bezüglich IT-Rechten der Mitarbeiter durch die vorhandene IT-
Kompetenz besonders offen oder allenfalls besonders restriktiv?

Wir versuchen, einen optimalen Kompromiss zu finden. Einerseits wollen wir die Mitarbeiter nicht zu stark einschränken. Anderseits müssen wir sicherstellen, dass wir die Infrastruktur auch administrieren können. Wir haben rund 700 Kleingeräte – PCs, Tablets und Smartphones – im Einsatz, und wenn wir zu liberal wären, dann könnten wir das kaum mehr managen. Gewisse Abteilungen aber, beispielsweise Marketing oder Einkauf, die auch Geräte ausprobieren müssen, sind darauf angewiesen, dass sie doch recht weit gefasste Rechte haben. Entsprechend gibt es unterschiedliche Policies für die verschiedenen Benutzergruppen.
Wie würden Sie die die wesentlichen Merkmale der Competec-IT in groben Zügen umschreiben?
Als CIO eines E-Commerce-Unternehmens, was die Competec-Gruppe zu einem wesentlichen Teil ist, beschäftigen uns insbesondere zwei Themen. Zum ersten das Infrastruktur-Thema, eine klassische CIO-Aufgabe, zum zweiten das Thema Software-Entwicklung. Wir sind in einem sehr dynamischen Umfeld tätig und deshalb darauf angewiesen, dass wir im Bereich Entwicklung eine möglichst hohe Agilität und im Bereich Infrastruktur eine möglichst hohe Stabilität erreichen. Das ist nicht immer ganz einfach miteinander zu vereinbaren. Agilität stellen wir sicher, indem wir unsere Projekte entsprechend managen und unter anderem versuchen, Entwicklung und Business möglichst nahe zusammenzubringen. Und Stabilität in der Infrastruktur erreichen wir unter anderem damit, indem wir für Ausfallsicherheit sorgen und Redundanzen einbauen. So betreiben wir zum Beispiel ein georedundantes Rechenzentrum in Mägenwil und in Willisau, und wir lagern auch immer mehr Dienste in die Cloud aus.

Competec ist aber mehr als nur ein E-Commerce-Anbieter, sondern auch Distributor und Logistiker. Sieht die IT-Strategie für den Rest des Unternehmens anders aus als für den E-Commerce-Teil?
Die Anforderungen des E-Commerce-Teils und der anderen Bereiche der Gruppe sind in Teilen schon unterschiedlich. Allerdings ist die Überschneidung der Anforderungen doch sehr gross. Wir versuchen deshalb, möglichst alle Unternehmensbereiche mit derselben Infrastruktur und denselben Softwarepaketen zu bedienen, um so auch von Synergie-­Effekten und der Economy of Scale profitieren zu können. Natürlich klappt das nicht überall und jeder Bereich hat seine Spezialitäten. Aber die versuchen wir so aufzufangen, dass sich der Aufwand in Grenzen hält.

Wo klappt es denn nicht?
Ein grosser Streitpunkt ist letztlich immer die Priorisierung. Technisch sind unsere Plattformen inzwischen so flexibel, dass wir im Prinzip alles für alle bauen können. Allerdings sind unsere Ressourcen in der IT nicht unendlich, die Zahl der Entwickler – die ohnehin schwierig zu bekommen sind – ist begrenzt. Wann wer welche Ressourcen bekommt, ist somit ein ständiges Tauziehen. Alle zufriedenzustellen, ist fast nicht möglich.
 
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