CIO-Interview: "Ein gutes Bier kann man auch ohne IT brauen"

CIO-Interview: "Ein gutes Bier kann man auch ohne IT brauen"

Artikel erschienen in IT Magazine 2016/11
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6. November 2016 -  Rolf Nüesch kann als IT-Leiter von Heineken Switzerland vom globalen Heineken-Konzern Infrastruktur beziehen, geniesst aber trotzdem viele Freiheiten.
CIO-Interview: 'Ein gutes Bier kann man auch ohne IT brauen'
Rolf Nüesch (56) ist bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert in der Bierbraubranche tätig. Vor der Übernahme durch Heineken im Jahr 2008 arbeitete er bereits 20 Jahre für die Luzerner Brauerei Eichhof, wo er seine Karriere in der Finanzabteilung startete und noch vor seinem 30. Geburtstag Finanzchef wurde. Mit dieser Aufgabe übernahm er auch die Verantwortung für den Einkauf und die IT. Nach der Übernahme durch Heineken war Nüesch mehrere Jahre IT & Purchasing Director, seit diesem Jahr gilt sein gesamter Fokus als Leiter IT von Heineken Switzerland der Informatik. (Quelle: Heineken Switzerland)
Swiss IT Magazine: Könnte Heineken Switzerland ohne IT überhaupt noch Bier brauen?
Rolf Nüesch: Ich denke, es würde kaum ein Unternehmen in der Schweiz mehr richtig funktionieren ohne IT – auch wir nicht. Aber Bier brauen, das ginge schon. Die Rezepturen existieren zum Glück nicht nur in den Computern, sondern auch noch in den Köpfen unserer Braumeister. Jedoch kommt IT auch im Brauprozess zum Einsatz, vorwiegend zur Kontrolle, damit die Rezepturen eingehalten werden und die Mischverhältnisse stimmen. Aber ich bin überzeugt, ein gutes Bier kann man auch ohne IT brauen.

Können Sie ausführen, welches die Eckpfeiler der IT von Heineken Switzerland sind und wie die IT-Infrastruktur organisiert ist?
Heineken Switzerland gehört zu einem Verbund von diversen Ländergesellschaften unter dem Heineken-Konzerndach, was natürlich auch Einfluss auf die IT hat. Das Herzstück unserer IT sind sicher unsere beiden Rechenzentren. Wir nutzen zum einen eine gehostete Server-Infrastruktur in Frankfurt, wo SAP läuft. Dann betreiben wir selbst noch ein Rechenzentrum hier in Luzern, das aus rund 70 Servern besteht, auf denen unsere lokalen Anwendungen laufen.

Macht der Betrieb von zwei Rechenzentren Sinn?
Optimal ist diese Situation nicht. Das Ziel muss sein, alles im selben Rechenzentrum betreiben zu können, wo alle Anwendungen sicher und kostengünstig laufen. Und auf dieses Ziel arbeiten wir hin, das wollen wir realisieren. Doch wir brauchen für gewisse Aufgaben, Druckjobs beispielsweise oder Schnittstellen, unsere Server-Infrastruktur vor Ort.
Können Sie ausführen, was alles durch den Konzern vorgegeben ist und was Sie noch lokal machen dürfen?
Heineken gewährt uns relativ viele Freiheiten. Der Konzern bietet auf globaler Ebene zwar umfangreiche Leistungen an, auf die die Ländergesellschaften zurückgreifen können. Wir müssen diese Angebote aber nicht alle nutzen, sondern machen das nur, wenn die Leistung stimmt – sowohl qualitativ wie auch preislich. Manchmal verlangen es die Umstände, dass wir eine hohe Flexibilität brauchen oder eine benötigte Leistung gar nicht geboten wird oder für uns nicht passt. Dann helfen wir uns selbst. Sehen Sie, auf unseren Servern in Luzern laufen aktuell rund 60 Applikationen – viele davon Klein- und Kleinstapplikationen. Für einen externen Provider ist es enorm schwierig, so viele Applikationen bereitzustellen. Es macht schlicht keinen Sinn, so etwas in ein grosses Rechenzentrum auszulagern. Deshalb muss unser Ziel zuerst lauten, die Zahl der Applikationen zu reduzieren und so unsere Applika­tionslandschaft zu vereinfachen und zu standardisieren. Erst dann wird es allenfalls möglich, die Rechenzentren zu konsolidieren und so die die Kosten weiter zu reduzieren.

Also ist es so, dass Sie komplett frei sind, ob und welche IT-Infrastruktur Sie vom Konzern beziehen?
Gewisse Dinge sind schon vorgegeben. Aber der Konzern ist sich bewusst, dass es Bereiche gibt, bei denen es sinnvoller ist, diese lokal und nicht durch einen zentralen Dienst bereitzustellen. Dies ist wie erwähnt vor allem dann der Fall, wenn eine hohe Flexibilität gefragt ist oder wenn sich IT und Business sehr häufig abstimmen müssen. Ein Beispiel ist etwa unsere Software, mit der wir Zahlungen machen. Hier sind wir darauf angewiesen, dass die Applikation bei einer Störung schnellstmöglich wieder da ist. Ausserdem ist die Lösung klein und sehr spezifisch für die Schweiz und ihre Eigenheiten beim Zahlungsverkehr gebaut. So eine Applikation muss nicht in Frankfurt gehostet werden, wo sie viel weiter weg ist von den Leuten, die sie nutzen und verstehen. Ich denke auch nicht, dass das günstiger käme. Und bei solchen Anwendungen muss ich mit dem Konzern auch keine Diskussion darüber führen, ob es nicht sinnvoller wäre, sie zentral zu hosten. Das ist aber nur ein Beispiel aus vielen.
 
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