CIO-Interview: «Bei uns steht die Kunst im Vordergrund»

CIO-Interview: «Bei uns steht die Kunst im Vordergrund»

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/01
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4. Februar 2017 -  Die IT sollte sich nicht zu wichtig nehmen, findet Theodor Scherrer, CIO vom Zürcher Opernhaus und Schaupielhaus. Seit 13 Jahren bemüht er sich, Ballett, Oper und Theater mit Technik optimal zu unterstützen.
CIO-Interview: «Bei uns steht die Kunst im Vordergrund»
Theodor Scherrer (58) leitet seit 2002 die IT des Opernhauses und des Schauspielhauses, zu dem auch der Schiffbau in Zürich gehört. Der gelernte Softwareentwickler und dipl. Wirtschaftsinformatiker war zuvor 13 Jahre in der IT im Gesundheitswesen tätig und davor unter anderem bei NCR, Swissair und auch selbständig unterwegs. (Quelle: Opernhaus Zürich)
Swiss IT Magazine: IT und Kultur haben auf den ersten Blick ja nicht viel gemein. Wie kommen Sie klar im Umfeld Kulturschaffender?
Theodor Scherrer: Das Umfeld ist natürlich spannend. Ich selbst bin zwar kein Operngänger, gehe aber gerne ins Ballett oder ins Theater.

Schauen Sie sich die Vorstellungen jeweils selbst an?
Nicht alle. Die IT kann sich durchaus erlauben, ein wenig Abstand zu halten. Man muss aber verstehen, wie der Betrieb funktioniert.

Und wie funktioniert der Betrieb?
Anders als viele denken, sind wir gross. Das Opernhaus hat rund 600 Mitarbeiter und 300 Arbeitsplätze. Das Schauspielhaus hat rund 300 Mitarbeiter mit 200 Arbeitsplätzen. Also betreuen und supporten wir 500 Arbeitsplätze mit Standard-IT.

Wofür ist die IT noch verantwortlich?
Wir betreiben das Ticketverkaufssystem für Karten und die Systeme, die unsere Mitarbeiter benutzen, um Vorstellungen, Einsätze, Räumlichkeiten und Ressourcen zu planen. Das Opernhaus plant einige Jahre im Voraus, weil dort internationale Künstler engagiert werden. Wichtig ist, dass wir klar zwischen Bühnentechnik und IT unterscheiden, wobei wir uns untereinander natürlich abstimmen.

Wie gross ist Ihr IT-Team?
Wir sind sieben Leute, aber nur 5,8 Stellen. Wir haben einen Spezialisten für die Applikationen und den Support fürs Ticketsystem, zwei Systemadministratoren und anderthalb allgemeine Supporter. Dann gibt es noch eine Administrationsstelle für Abrechnungen mit anderen Theatern, weil ein paar weitere Theater in Zürich, Luzern und Winterthur über unser Ticketsystem verkaufen.
Welches System nutzen Sie?
Die Anwendung kommt von einem deutschen Anbieter, der sich auf klassische Kulturtickets spezialisiert hat. Der Markt für Kultursoftware ist leider sehr klein. Grosse Hersteller interessieren sich nicht für Theater- und Opernhäuser, weil dort kaum Geld zu holen ist. Wir schliessen uns deshalb mit mehreren Theatern zusammen, so verdient dann auch der Hersteller.

Was gehört noch zu Ihren Aufgaben als CIO?
Ich erstelle den Einsatzplan für die Mitarbeiter und den Budgetplan. Wir sind in den Häusern natürlich ein Kostenfaktor, den man tief zu halten versucht. Ausserdem erstelle ich den Notfallplan, sprich ich lege fest, wie man in Katastrophen reagieren sollte.

Was könnte schlimmstenfalls passieren?
Eine maximale Katastrophe wäre, wenn das Schauspielhaus brennt, in dem die meisten Server stehen.

Was wäre dann zu tun?
Wir müssten die Server im Opernhaus hochfahren. Dort sind sämtliche Daten, die wir hier im Schauspielhaus haben, gespiegelt. Die Schwierigkeit ist allerdings, dass Verbindungen defekt sein könnten. Solche Szenarien spielen wir durch und zeigen dem Management, was das für den Betrieb bedeutet.

Mussten Sie Ihren Notfallplan schon mal anwenden?
Nein, zum Glück nicht. Wir hatten aber schon zweimal mit Stromausfällen zu kämpfen. Beim ersten Mal waren im Schauspielhaus alle Server tot. Allerdings hatten alle Verständnis, weil auch die Trams nicht mehr fuhren. Ein anderes Mal ist im Zürcher Kreis 5 und damit auch im Schiffbau der Strom ausgefallen, wo wir die Daten sichern. Aber der Fokus lag auf dem Prime Tower, bei dem der Strom auch ausgefallen ist. Was bei Nutzern jeweils auf Unverständnis trifft ist, dass wenn der Strom wieder da ist, die Server trotzdem noch eine Zeit brauchen, bis sie wieder hochgefahren sind.
 
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