CIO-Interview: "Eine Befehlskultur gibt es hier nicht"

CIO-Interview: "Eine Befehlskultur gibt es hier nicht"

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/03
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4. März 2017 -  Jonas Reusser ist seit sechs Jahren Head of Global IT beim internationalen Photovoltaik-Spezialisten Meyer Burger und versucht jeweils, ganz nach dem Credo des Unternehmens, global zu denken und lokal zu agieren.
CIO-Interview: 'Eine Befehlskultur gibt es hier nicht'
Der 34-jährige diplomierte Wirtschaftsinformatiker Jonas Reusser arbeitet seit sechs Jahren für das Thuner Unternehmen Meyer Burger und hat die Boom-Jahre der Photovoltaik-Industrie miterlebt. Während den letzten fünf Jahren leitet er den Bereich IT Operations. Seit Februar 2017 ist Reusser Head of Global IT von Meyer Burger und verfügt über die globalen Abteilungen Business Applications sowie IT Operations. (Quelle: Meyer Burger)
Swiss IT Magazine: Die Solarpanel-Industrie steht seit einigen Jahren unter einem enormen Preisdruck. Inwiefern hat dies auch Einfluss auf die IT von Meyer Burger?
Jonas Reusser: Die grosse Herausforderung besteht in der Branche vor allem darin, dass man die IT nicht nur als Kostenfaktor, sondern als Business-Enabler sieht. Durch die Informatik bekommen Firmen in vielen Fällen die Möglichkeit, Kosten zu sparen. Jedoch müssen dafür zuerst Investitionen getätigt und Prozesse etabliert werden. In solchen Fällen ist langfristiges Denken angesagt. Während der heissen Wachstumsphase der Photovoltaikindustrie kamen gewisse Aspekte allenfalls zu kurz. 2011 hat Meyer Burger zeitweise wöchentlich über 40 Maschinen für die Solarindustrie zusammengebaut und ausgeliefert. Ab dem Jahr 2012 erlebte die Photovoltaikindustrie ein überraschend schnelles Abflauen, vor allem wegen den grossen Überkapazitäten, die bei Solarzell- und Solarmodulherstellern während des Solarbooms aufgebaut worden waren. Der Markt wurde sehr volatil, und entsprechend zurückhaltend reagierten die Kunden von Meyer Burger in Bezug auf Bestellungen von neuem Produktionsequipment. Allerdings führt der anhaltende Wachstumstrend im Bereich der neu installierten Photovoltaik-Leistung bei privaten und kommerziellen Endkunden dazu, dass sich die Nachfrage- und Angebotssituation für Solarzellen und -module ausbalanciert und die Hersteller weltweit wieder in Produktionskapazitäten investieren. Mit unserem breiten Technologieportfolio sind wir bestens positioniert, um von diesem Wachstum zu profitieren.
Sie sind seit sechs Jahren bei Meyer Burger tätig und haben die Auswirkungen des Photovoltaik-Booms miterlebt. Was hat sich seit dieser Zeit geändert?
Als ich ins Unternehmen kam, hat man sich bereits voll auf den globalen Markt konzentriert und begonnen, den Standort Thun mit den internationalen Niederlassungen zu vereinheitlichen. Damals war die IT-Infrastruktur aber noch weniger auf ein globales Unternehmen ausgelegt. Es war also entscheidend, dass wir schnell eine IT-Infrastruktur aufbauen konnten, die den globalen Anforderungen gerecht wurde.

Wie ist die Informatik bei Meyer Burger heute aufgestellt?
Auf der einen Seite gibt es das IT-Operations-Team inklusive dem Servicedesk, das als klassischer, interner Dienstleister fungiert und Tools und Services für das Tagesgeschäft von Meyer Burger bereitstellt, kontrolliert und wartet. Zudem haben wir auch ein IT-Business-Applica­tion-Team, welches sich um Anwendungen wie etwa SAP kümmert. Neben der konventionellen IT haben wir in den eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen diverse IT-nahe Funktionen, welche unsere Kunden bei der Industrialisierung ihrer Produktionsprozesse unterstützen. Dafür ist unter anderem auch die Meyer Burger Tochtergesellschaft AIS verantwortlich, welche als eigenständige Firma fungiert. Sie kümmert sich bei Meyer Burger kurz und knapp ausgedrückt um das Thema Industrie 4.0.
Thun ist der Hauptsitz von Meyer Burger. Bevor man die Unternehmen in Thun, dem deutschen Hohenstein-Ernstthal und Shanghai IT-technisch zusammengeschlossen hat, hatten alle drei Standorte ihre eigene IT-Abteilungen und -Strategien. Auch nach dem Zusammenschluss haben die Niederlassungen ihre Unabhängigkeit ein Stück weit behalten, und man hat erst mit der Zeit mit der Harmonisierung und Zentralisierung begonnen. Die zentralen SAP-Systeme sowie gewisse Infrastrukturservices werden von Thun aus betreut. Aufgrund der Grösse des Standorts Hohenstein-Ernstthal gibt es Services, die lokal im dortigen Datacenter betrieben werden.
 
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