"AI ist von der Firmenkultur abhängig"

"AI ist von der Firmenkultur abhängig"

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/03
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4. März 2017 -  Michael Baeriswyl, Leiter Artificial Intelligence & Machine Learning Group bei Swisscom, erklärt im Interview das gewaltige Potential von künstlicher Intelligenz rund ums Thema Archivierung.
'AI ist von der Firmenkultur abhängig'
Michael Baeriswyl ist derzeit Leiter Artificial Intelligence & Machine Learning Group bei Swisscom Enterprise Customers. Gemeinsam mit seinem Team arbeitet er an der Geschäftstransformation von Swisscom und seiner Kunden durch die Anwendung künstlicher Intelligenz, mit der Menschen befähigt und Prozesse automatisiert werden sollen. Bevor er zu Swisscom kam, absolvierte er sein Promotionsstudium an der ETH Zürich und dem MIT in Boston. (Quelle: Swisscom )
Swiss IT Magazine: Inwieweit spielt künstliche Intelligenz rund um das Thema Archivierung heute schon eine Rolle?
Michael Baeriswyl: Viele Firmen haben verstanden, dass sie mit digitalisierten Prozessen deutlich effizienter arbeiten. Sie scannen Dokumente und archivieren Arbeitsunterlagen elektronisch. Doch wer von der Digitalisierung wirklich profitieren will, geht noch einen Schritt weiter. Mit künstlicher Intelligenz kann ein Unternehmen viele zusätzliche Anwendungen nutzen, die enorm hilfreich sind. Dieses Verständnis wächst aber erst langsam. Bis AI fester Bestandteil von Archivierungslösungen ist, wird es noch eine Weile dauern.

Wo liegen denn die wesentlichen Vorteile von künstlicher Intelligenz rund um das Thema Archivierung?
Im Gegensatz zu gewöhnlichen Suchmaschinen haben intelligente Systeme zwei grosse Vorteile: Erstens präsentieren sie am Ende einen Lösungsvorschlag statt nur ein Resultat. Und zweitens lernt das System selbständig aus den Erfahrungen und erledigt somit seine Aufgabe immer besser.
Gibt es bereits konkrete Anwendungsfälle, in denen AI bei Archivierungsaufgaben zum Einsatz kommt?
Künstliche Intelligenz wird heute oftmals im Bereich Datenmanagement eingesetzt: Jeden Tag entstehen bei einem Unternehmen so viele Daten, dass es den Mitarbeitern nicht mehr gelingt, diese sinnvoll auszuwerten. Systeme mit künstlicher Intelligenz unterstützen dabei, indem sie etwa Dokumente durchforsten und uns dann eine Lösung präsentieren. Dank AI versteht, interpretiert und verarbeitet der Computer selbständig Dateien. Er kann also beispielsweise gescannte Dokumente automatisch kategorisieren, ohne dass eine Person alle lesen und manuell einer Kategorie zuweisen muss. Nehmen wir als Beispiel ein Stadtarchiv. Dort sind unzählige Dokumente gelagert. Wenn sie erstmals eingescannt und elektronisch archiviert sind, findet man die gewünschte Urkunde viel einfacher. Doch die Suche scheitert oft bei allem, was nicht Text ist. Also bei Fotos, Plänen oder Illustrationen. Ausserdem sind die Verbindungen zwischen den einzelnen Dokumenten nur dann auffindbar, wenn sie beim Einscannen definiert wurden. Angenommen, ich möchte alles über die Familie Zurlinden im 18. Jahrhundert finden – die Suche wird mir wahrscheinlich nur einen Drittel der tatsächlich vorhandenen Dokumente liefern. Wenn wir aber künstliche Intelligenz verwenden, sieht die Sache anders aus. Denn die künstliche Intelligenz kann nicht nur Bilder zu erkennen, sondern auch verheiratete Zurlinden-Frauen finden, die den Namen gewechselt haben. Dank künstlicher Intelligenz ist das System fähig, Beziehungsgeflechte zu erkennen.
 
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