CIO-Interview: "Wir dürfen uns keine Fehlentscheide leisten"

CIO-Interview: 'Wir dürfen uns keine Fehlentscheide leisten'

CIO-Interview: "Wir dürfen uns keine Fehlentscheide leisten"

(Quelle: Blacksocks)
Artikel erschienen in IT Magazine 2017/04
Seite 1
1. April 2017 -  Blacksocks-Boss Samy Liechti über die Herausforderung, als relativ kleiner E-Commerce-Anbieter mit ­Amazon und Co. mithalten zu müssen, und über schwierige Technologie-Entscheide.
Swiss IT Magazine: Wie viele Minuten oder Stunden war die Website von Blacksocks in diesem Jahr bereits offline?
Samy Liechti: Ein paar Minuten vielleicht. Wir haben unsere angestrebte Verfügbarkeit von 99,9 Prozent in diesem Jahr eigentlich immer erreicht.

Ist diese Verfügbarkeit das wichtigste Kriterium, das Ihre IT erfüllen muss?
Eine hohe Verfügbarkeit der Website muss man heute eigentlich voraussetzen können. Das Problem sind all die Drittsysteme, die an die Plattform angeschlossen sind. Wenn ein Payment-Provider oder der Lieferant eines Payment-Providers ein Problem hat, dann haben auch wir ein Problem. Inzwischen müssen im E-Commerce so viele Komponenten zusammenspielen, dass die Komplexität relativ hoch ist.

Ist diese Komplexität auch Ihre grösste Herausforderung?
Die grösste Herausforderung ist aktuell vor allem die Geschwindigkeit der Website, zum einen im Hinblick auf das Kunden-Erlebnis, zum anderen wegen des Google-Rankings. Die Arbeit an der Geschwindigkeit geniesst bei uns deshalb höchste Priorität. Content mit hohem Tempo auszuliefern, wird zunehmen komplexer. Nehmen wir als Beispiel die Desktop-Version unserer Seite. Hier haben wir ein Video implementiert, und für die möglichst optimale Implementation dieses Videos gibt es gefühlt 1000 verschiedene Wege, wobei es gilt, den bestmöglichen zu finden. Gefordert werden wir aber auch beim Zusammenspiel zwischen Front- und Backend und bei der Integration der Drittsysteme. Mir nützen die besten Drittsysteme nichts, wenn sie die Ladezeiten und damit den Bestellprozess ausbremsen. Denn Fakt ist: Die Nutzer sind nicht mehr bereit, Wartezeiten in Kauf zu nehmen, und von Google wird man ebenfalls abgestraft, wenn man Content nicht rasch genug bereitstellt.
Können Sie in groben Zügen ausführen, wie Ihre E-Commerce-Plattform aufgebaut ist?
Als wir vor rund 18 Jahren gestartet sind, fanden wir keine Datenbank-Lösung, die sinnvoll ein Abo hätte abwickeln können. Also haben wir selber eine Lösung basierend auf einer MySQL-Datenbank entwickelt, die auch heute noch im Einsatz ist und sich inzwischen praktisch zu einem ERP weiterentwickelt hat – inklusive Lagerverwaltung, Bestellbewirtschaftung, Aboverwaltung und einigem mehr. In dieses ERP haben wir Schnittstellen gebaut, etwa zu unserer App, die direkt ins Backend Kundendaten einliest. Ende April werde wir zudem einen physischen Re-Order-Button lancieren, mit dem der Kunde auf Knopfdruck bestellen kann und der ebenfalls direkt ans ERP angebunden wird. Ebenfalls aus der Datenbank werden zudem Abo-Erneuerungen gesteuert, der ganze Rest übernimmt das Frontend, also der Shop, der mit dem Backend laufend abgeglichen wird.

Gab es nie Überlegungen, die ERP-­Eigenentwicklung durch eine Standardsoftware abzulösen?
Unsere eigene Lösung ist dermassen auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten, dass ich der festen Überzeugung bin, der Betrieb und die Weiterentwicklung kommen uns günstiger als mit einer Standardsoftware. Unsere Lösung funktioniert für uns bestens, und so arbeiten wir nach dem Motto: "Never change a running System."
 
Seite 1 von 5
Nächste Seite

Neuen Kommentar erfassen

Kommentare werden vor der Freischaltung durch die Redaktion geprüft.
Anti-Spam-Frage Was für Schuhe trug der gestiefelte Kater?
Antwort
Name
E-Mail
NEUESTE
EMPFEHLUNGEN
MEISTGELESENE
NEWSLETTER ABONNIEREN
Abonnieren Sie unseren täglichen Newsletter mit den wichtigsten ICT-Meldungen
SWISS IT MAGAZINE - AUSGABE 2017/04
Schwerpunkt: IT-Versicherungen
• Versichert gegen die Unsicherheit
• Cyber-Versicherung als zusätzliche IT-Sicherheitsmassnahme
• Marktübersicht: Versicherungsschutz im digitalen Arbeitsalltag
• Versicherungslösungen gegen die Folgen von Cybercrime
• Praxisbeispiele: Hacker lieben schlechte Vorbereitung
Zum Inhaltsverzeichnis
SPONSOREN & PARTNER