Seitenblick: Die Sache mit dem «OK»-Button

Seitenblick: Die Sache mit dem «OK»-Button

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/04
1. April 2017
Seitenblick: Die Sache mit dem «OK»-Button
Dr. Thomas Flatt ist Präsident swissICT, Unternehmer, Berater und Verwaltungsrat (Quelle: Swiss ICT )
"Ich stimme den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu" – ein Klick oder ein Antippen des Buttons, und schon habe ich Zugriff auf diese spannende Website, darf die neuste App verwenden oder die gekaufte Software downloaden.

So einfach und schnell geht das heute. In Zukunft soll das nicht mehr so sein. Zumindest nicht, wenn es nach dem europäischen Datenschützer oder den Konsumentenschützern geht.

In Zukunft dürfen wir nicht mehr einfach darauf vertrauen, dass Unternehmen all das Kleingedruckte in seitenlangen AGBs gut versteckt halten und wir die Augen verschliessen dürfen vor der Tatsache, dass wir all unsere Daten, für jede auch nur denkbare Nutzung, zur Verfügung stellen.

Nein, nun sollen wir uns emanzipieren und Verantwortung übernehmen. Wir sind ja schliesslich mündige Bürger. Deshalb müssen wir in Zukunft genau wissen, was mit unseren Daten geschieht – auch wenn es uns eigentlich egal ist. Wir müssen darüber entscheiden, ob unsere Daten anonym oder namentlich, angereichert oder nicht, verarbeitet oder veredelt, in der Schweiz oder auch in Europa, zu lobenswerten oder verwerflichen Zwecken genutzt werden können. Anschliessend dürfen wir die Daten dann nachverfolgen, zurückfordern oder gar vernichten. All dies dürfen wir nicht nur – wir müssen es.

Wir müssen es, weil die EU ihre Datenschutz-Grundverordnung im Mai 2018 in Kraft setzen wird, die Schweiz nachziehen muss und ihre Gesetze anpassen wird. Die Schweiz muss dies tun, will sie sich nicht isolieren und ihre Unternehmen einem Wettbewerbsnachteil im EU-Raum aussetzen.
In diesem Datenschutzgesetz wird leider nicht nur das Prinzip verankert, dass Daten nicht missbraucht werden dürfen, sondern auf 260 Seiten ist ein regulatorischer Riese entstanden.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Auch meine Daten sind schützenswert und die Gesetze müssen an das digitale Zeitalter angepasst werden. Die EU geht aber wieder einmal sehr weit – unserer Meinung nach zu weit.

swissICT vertritt Unternehmen und fühlt sich einer liberalen, wirtschaftsfreundlichen Grundhaltung verpflichtet. Der Verband sieht sich aber auch in einer gesellschaftlichen Verantwortung und versucht dabei die Interessen der Schweiz und ihrer Bürger bei der Meinungsbildung zu berücksichtigen.

Was im Falle des DSG als scheinbarer Widerspruch erscheint, ist unserer Meinung nach keiner. Der Nutzer will Einfachheit und gute Dienstleistungen. Er will Unternehmen und Staaten, denen er vertrauen kann. Dies kann nicht erreicht werden, indem die Verantwortung auf den Konsu­menten abgeschoben wird. Sondern nur indem diejenigen, die mit Daten umgehen, dies verantwortungsvoll tun.

Wir sind nicht blauäugig und wir wissen, dass wir uns mit unseren Datenschutzgesetzen der EU annähern müssen. Es muss aber gelten: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Genau dies sagen wir – natürlich etwas detaillierter – in unserer Stellungnahme, die bald online geschaltet wird.

PS: Ich habe übrigens gehört, dass bereits eine App vorbereitet wird, die es erlauben wird, sämtliche Fragen zum Thema Datenverwendung auf Websites und Mobiltelefonen zustimmend zu beantworten – mit nur einem Klick!
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