CIO-Interview: "Der Bau ist inzwischen Hightech"

CIO-Interview: "Der Bau ist inzwischen Hightech"

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/10
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1. Oktober 2017 -  Christian Schollenberger treibt als Leiter Informatik bei Kibag die Digitalisierung voran und hat in den letzten Jahren die Firmen-IT des Baukonzerns auf Vordermann gebracht.
CIO-Interview:  'Der Bau ist inzwischen Hightech'
Christian Schollenberger (40) ist seit 2011 bei Kibag tätig. Geholt wurde er als Projektleiter für ein Abacus-ERP-Projekt, zwei Monate später wurde ihm der Job als Leiter Informatik angeboten. Schollenberger absolvierte das KV in der Baubranche und rutschte danach rasch in die IT-Industrie. Vor seiner Zeit bei Kibag war er für verschiedene Software-Häuser und IT-Dienstleister in den unterschiedlichsten Positionen tätig. Die Rolle als IT-Leiter hat er bei Kibag zum ersten Mal inne. (Quelle: Kibag)
"Swiss IT Magazine": Wie viel Informatik findet man auf einer modernen Baustelle?
Christian Schollenberger: Extrem viel, und vor allem immer mehr. Denkt man an eine Baufirma, hat man oft noch das Bild von Schaufel und Pickel im Kopf. Doch der Bau ist inzwischen Hightech, Baustellen werden immer smarter. Die grossen Maschinen kommunizieren mit uns, es gibt 3D-Steuerungen, welche automatisch, basierend auf CAD-Zeichnungen arbeiten, unsere Lastwagen sind vernetzt, unsere Waagen digitalisiert und vieles mehr. Heute ist es so, dass wir, wenn die IT einen Tag nicht läuft, elementare Probleme bei Kibag haben.

Können Sie einige Ansätze, die sie rund um diese smarten Baustellen verfolgen, ausführen?
Seit Anfang Jahr läuft bei uns ein Digitalisierungsprojekt. Im Rahmen dieses Projekts sind wir daran, Digitalisierungsthemen aufzunehmen und zu prüfen, wo man mit Hilfe von IT Prozesse anpassen und Dinge anders verrichten könnte. Sehen Sie, die Margen in der Baubranche sind sehr schmal, der Konkurrenzdruck ist gross, und wir sind überzeugt, dass IT uns helfen kann, die Effizienz zu steigern. Ein grosses Thema in dem Zusammenhang ist IoT (Internet of Things). Wir versuchen zu wissen, wo unsere Baumaschinen sind, ob sie im Moment gerade laufen oder nicht und wie sie vergangene Woche in Betrieb waren. So können wir deren Einsatz effizienter machen, denn wenn die Maschinen stillstehen, verdienen wir nichts. Hierbei setzen wir auf das Low Power Network LoRa von Swisscom.
Warum setzten sie auf LoRa und nicht auf das Handynetz mit SIM-Karten?
Zum einen sind die Kosten für LoRa-Sensoren tiefer. Hauptgrund ist aber der geringere Energieverbrauch. Sobald man SIM-Karten ansteuern muss, geht der Stromverbrauch massiv in die Höhe, und man muss die Sensoren verkabeln. Wir aber wollen die Sensoren möglichst flexibel anbringen können, ohne dass sie via Kabel mit Strom versorgt werden müssen.

Gibt es weitere Digitalisierungsprojekte?
Das Projektspektrum ist riesig, und wir entscheiden von Fall zu Fall, welche Projekte verfolgt werden und welche nicht. So träumen wir von selbstfahrenden Lastwagen, allerdings verfolgen wir dies nicht als Projekt, weil wir hier kaum Einfluss haben und die Lastwagenhersteller diese Entwicklung vorantreiben. Handkehrum schwebt uns ein Sortierroboter vor, der unsere Sortieranlagen automatisiert. Ein solches Projekt haben wir selbst in der Hand, daran arbeiten wir. Ausserdem verfolgen wir ein Projekt, um Muldenfüllstände digital zu erfassen. Das Ziel ist zu wissen, wann die Mulden voll sind, um so deren Abholung besser koordinieren zu können. Hier arbeiten wir mit der Hochschule Rapperswil zusammen. Mit der digitalen Erfassung der Füllstände wäre es dann sogar möglich, das Businessmodell anzupassen und dem Kunden beispielsweise ein Muldenabo anbieten zu können, bei dem er nicht pro Mulde bezahlt, sondern einfach immer Muldenkapazität garantiert bekommt. Allerdings ist das Abrufen der Information, wie viel Schutt in einer Mulde liegt, nicht ganz einfach.
 
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