Seitenblick: Wer liess da schon wieder das Licht brennen

Seitenblick: Wer liess da schon wieder das Licht brennen

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/11
Seite 1
4. November 2017
Seitenblick: Wer liess da schon wieder das Licht brennen
Dr. Thomas Flatt ist Präsident swissICT, Unternehmer, Berater und Verwaltungsrat (Quelle: Swiss ICT )
Dieser Dienstag war mal wieder ein langer Tag. Am Nachmittag VR-Sitzung bei meinem Lieblingsunternehmen, dann Tennis bis 22 Uhr mit meinen ehemaligen Handballkollegen und schliesslich die Fahrt nach Hause. Die Familie schläft schon tief – nehme ich zumindest an. Im Estrich brennt das Licht. Ist schon von Weitem zu sehen – deshalb sagt mein Nachbar auch immer spöttisch, mein Haus sei ein Einfamilienhochhaus: kleine Grundfläche, viele Stockwerke. Aber Treppensteigen ist ja gesund. Im Estrich sollte aber um die Zeit kein Licht mehr brennen, und im Badezimmer auch nicht und schon gar nicht auf der Terrasse. Da hat mal wieder jemand das Licht brennen lassen, ärgere ich mich schon. Von Ökologie hat meine Familie einfach keine Ahnung – und den Strom zahle ja ich.

Auf dem Weg ins Schlafzimmer komme ich dann an meinem kleinen Refugium vorbei (dort, wo meine private Elektronik drin ist). Als ich die Türe aufmache, kommt mir ein wohlig warmer Luftzug entgegen. Ich halte kurz inne und mein Ärger wird durch Schamgefühl verdrängt. Alle meine Computer, der Bildschirm, die völlig überdimensionierten Netzwerkelemente, mit ihren vielen kleinen Netzteilen, die externen Disks, Scanner und Drucker haben das Zimmer warm gehalten – vermutlich so gegen die 2000 Watt heizen hier gemütlich vor sich hin. Produziert haben diese 2000 Watt herzlich wenig – ausser Wärme. Relativ unnötige, teure und unökologische Wärme. Da sind die paar brennenden Energiesparlampen, die etwas zu lange gebrannt haben, ein Klacks dagegen.
Es sind aber nicht nur Computerfreaks (heute empfinde ich die Bezeichnung als Kompliment), die ihr kleines Rechenzentrum zu Hause betreiben. Viele kleine und mittlere Unternehmen machen dasselbe. Ihre Serverräume und Mini-Rechenzentren sind rund um die Uhr in Betrieb. Kaum eines der Geräte ist ausgelastet – schon gar nicht nachts, wenn niemand im Büro ist. Denn sie sind meist völlig überdimensioniert für den üblichen Verwendungszweck. Die effektiv genutzte Rechenleistung oder Netzwerkkapazität steht in keinem Verhältnis zur verbrauchten Energie.

Der Energieverbrauch aber ist relevant. Mit zunehmender Digitalisierung wird dieser weiter steigen. Bereits heute verbrauchen Serverräume und Rechenzentren 1'660'000 Megawattstunden pro Jahr. Das sind fast 3 Prozent des gesamten Strombedarfs der Schweiz.

Aus Sicht des Betreibers eines Serverraumes mag der Stromverbrauch nicht so sehr ins Gewicht fallen. In der Summe ist es aber viel zu viel.
 
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