Wenn der Staubsauger unsere Wohnung erforscht und kartographiert

Wenn der Staubsauger unsere Wohnung erforscht und kartographiert

Wenn der Staubsauger unsere Wohnung erforscht und kartographiert

(Quelle: ISACA / Fotolia)
Artikel erschienen in IT Magazine 2017/12
Seite 1
2. Dezember 2017 -  Von Peter Marti

Politik, Wirtschaft und Fachverbände befinden sich in Goldgräberstimmung und wollen den Weg ebnen für digitale Innovationen. Zunehmend werden aber Daten in unseren eigenen vier Wänden, auf unseren Wearables oder in unseren Autos gesammelt, die intransparent und oft in grossen Mengen an den Hersteller übermittelt werden. Mitarbeiter in Risk, Governance und Audit werden sich diesen neuen Herausforderungen in Bezug auf Datensicherheit stellen müssen.
Treu, ausdauernd und ohne zu klagen drehen die smarten Saugroboter stundenlang ihre Runden in der Wohnung und kehren unseren Dreck auf. Clevere kleine Dinger die mit ihren intelligenten Sensoren Hindernisse und Möbel erkennen und diesen selbstständig ausweichen. Für die späteren Putztouren werden diese Daten gespeichert. Dabei werden nicht nur störende Gegenstände, sondern auch die Räume selber vermessen so dass sich der Saugroboter einen exakten Grundriss der Wohnung anlegen und speichern kann. Per App informiert er uns über seinen aktuellen Status. Er zeigt uns stolz Statistiken seiner Arbeitsleistung und berichtet, welche Stellen in der Wohnung ganz speziell verschmutzt waren. Dies alles hübsch aufbereitet und verbunden mit dem graphischen Grundriss unserer Wohnung. Damit wir auch global den Sauger überwachen können, werden alle diese Daten in der Cloud, zentral beim Hersteller des Roboters gespeichert.

Der Staubsauger als Spion

Wenn der Staubsauger unsere Wohnung erforscht und kartographiert
Peter Marti, CISA, im Vorstand des ISACA Switzerland Chapters. Seit 18 Jahren in der Informatik in verschiedensten operativen und strategischen Funktionen. Heute interner IT-Auditor bei der Bank Julius Baer. (Quelle: ISACA)
Einmal gesammelte Kundendaten sind ein kostbares Gut, das auch für viele andere Zwecke verwendet werden kann. Dies hat auch der CEO von iRobot, dem Produzenten der wohl bekanntesten Saug­roboter erkannt. Notabene überlegt er auch laut, diese gesammelten Daten mit anderen Firmen zu teilen. Selbstverständlich immer vorausgesetzt, dass der Kunde dem auch zustimmt [1].

Aber auch ohne aktive Zustimmung des Kunden: Wenn ich meinen Sauger nicht nur über die hauseigene App von iRobot, sondern via der digitalen Amazon Assistentin Alexa steuern möchte [2], werden bereits Daten zwischen iRobot und Amazon ausgetauscht. Amazon wird brennend daran interessiert sein, zu wissen wie geräumig meine Wohnung ist. Ob mir ein Sofa in der Wohnung fehlt, oder ich einen Hund oder ein Baby zu Hause haben. Werbung lässt sich damit viel direkter und fokussierter schalten.

Aus Datenschutz Sicht kann dies sehr herausfordernd sein: Wenn zB der Mieter (und sein Saugroboter) umzieht und der Grundriss des Nachmieters immer noch bei Amazon bekannt ist? Oder sind Amazon auch die Grundrisse der Nachbarn bekannt, weil die Häuser alle vom gleichen Architekten gebaut wurden?
 
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