Schmerzgrenze noch nicht erreicht


Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2008/15

     

In diesen Wochen haben viele Jugendliche eine Ausbildung begonnen. darunter rund 320 Informatik-Studierende und 1700 Lehrlinge. Das entspricht 1 Prozent der berufstätigen Informatiker.
Erfreulich: Endlich ist die Talfahrt beendet und bei beiden eine leichte Zunahme zu verzeichnen. Unerfreulich: Wir pensionieren jährlich 3 Prozent oder 6000 erfahrene Fachleute und nur 1800 neue schliessen die Ausbildung ab. Da besteht eine schmerzhafte Lücke, die uns noch Jahre beschäftigen wird.


Enttäuschend ist das Ergebnis bei der Lehre mit einer leichten Zunahme von 100 Lehrlingen gegenüber dem Vorjahr – dem sichtbaren Engagement der Betriebe. Die Lehrabgänger/-innen sind gesuchte Leute, man bezahlt Traumsaläre für sie. Sie sind auch die künftigen Fachhochschulstudierenden. Fehlen Lehrplätze, fehlen danach Entwicklungsingenieure. Konkret: Wenn die Informatik-Grossbetriebe am Platz Zürich heute rund 20‘000 Informatiker beschäftigen und rund 1000 pensionieren, müssten sie auch gegen 1000 Lehrlinge jährlich ausbilden. Aber es sind nur 50. Die Betriebe investieren zwar Unsummen, um den Anteil des viel zu kleinen Hochschulmarktes auf ihre Seite zu reissen, doch nur zwei der grossen Informatik-Arbeitgeber haben einzelne Lehrstellen mehr geschaffen!



Jugendliche verzweifeln bei der Informatik-Lehrstellensuche und die Betriebe bei der Fachleute-Suche! Dabei wäre die Lehrlingsausbildung – richtig gemacht – sogar rentabel! Im Tandem zusammen mit einem Profi lernen die jungen Leute rasch Methode und Handgriffe und sind bald wertvolle Angestellte im 60-Prozent-Pensum. Im letzten Lehrjahr soll ein Lehrling rund 75 Prozent der Produktivität einer Fachperson abdecken. Das belegen Hunderte Beispiele. Und dass die Absolventen hohe Kompetenz erlangen, belegen ihre Abschlussarbeiten.



Alfred Breu, Präsident ZLI – Zürcher Lehrmeistervereinigung Informatik




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